Stoppok beim Phungo Festival in Pfungstadt 220815 – Fotos: Schindelbeck

Stoppok - Photo: Schindelbeck
Stoppok - Photo: Schindelbeck

Ich weiß noch genau, wann ich Stefan Stoppok das erste Mal gehört habe. Das war am Ortsausgang Neckarsteinach ins Neckartal hoch. Muss in SWR2 oder Deutschlandfunk gewesen sein: eine nölende Stimme sang ein ziemlich witziges Lied namens „Ärger“. Die „nölende Stimme“ ist ein Zitat aus Stoppoks Mund, einem Stoppok Song, den er einige Jahre nach diesem Hit „Ärger“, der letztlich doch keiner war, von ihm eingespielt wurde: „Ärger Teil II“.

Nach etwas Recherche damals schnell herausbekommen, wer dieser Sänger ist und dann jahrzehntelang und bis heute ein Freund seiner Musik und seiner Texte geworden. Die Kinder haben sich auf dem Weg mit dem Auto nach Frankreich über „Scheiße am Schuh“ und „Mein Freund der Kühlschrank“ beömmelt. „Zwischen Twen Tours und Seniorenpass“, das war die eigene Situation, damals vor rund 30 Jahren. Seitdem die meisten der Stoppok-Veröffentlichungen mit Band oder solo eingekauft, zu wenige Konzerte besuchen können.

Mit Worthy hat er eigene Songs (und ein paar Cover) im Duo eingespielt, die im Grunde Klassiker der deutschen Singer-Songwriter Geschichte sein müssten: „Krieg“, „Was Dir noch fehlt“, „Heilfroh“, „Alles nur’n Film“… – großartige Texte: kritisch – manche sind nach Jahrzehnten beängstigend zeitlos – gewitzt, poetisch. Die Songs mit Banjo und Gitarren eingespielt ob solo oder mit der Band: immer auf den Punkt und zeitlos. Dass der Sprung zum großen Star nicht geklappt hat, damit kommt er hoffentlich zurecht. In Pfungstadt hat er sein Publikum sofort im Griff , lässt erst einmal die Liegestühle vor die Bühne tragen und mit lakonischem Witz, Selbstironie und seinen Songs lässt er es auch nicht mehr vom Haken. Am Ende klappt’s sogar mit einigen jüngeren vor der Bühne tanzenden Menschen. Übrigens, das Phungo Festival: eine sympathische Veranstaltung, empfehlswert.

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Stoppok – Fotos: Schindelbeck

Corona Demo in Wien am 8.1.2022

Corona Demo Wien 220108 - Photo: Schindelbeck

Die intelligenten Österreicher waren heute in Wien unterwegs: freiheitsliebende, vernünftige Menschen, überall in der Stadt. Und dann waren da die Anderen bei der Corona-Demo: Schwurbler, HanswürstInnen, Missionare, direkt vom ganz dünnen Eis selbst zusammengezimmerter Erkenntnis. Immerhin rund 40.000 in der schönen Stadt.

Die, deren heldenhafter Kampf gegen die Unterdrückung mit dem demonstrativen Rüssel über der Maske in der U-Bahn geführt wurde. Mit Krankenschwestern, denen die Kündigung angeblich genauso wurscht ist, wie offensichtlich das Schicksal ihrer Patienten. Mit Menschen, die am Samstagmittag schon so gut abgefüllt waren, wie sichtbar in den vergangenen Jahrzehnten regelmäßig. Mit „Kreativen“, die hässliche Schilder mit Dummheiten vollkritzelten. Mit Idioten aus Deutschland, die in billige, aber immerhin lautstarke Plastikhupen bliesen und nur in ihrem eigenen Schädel „Alle Menschen werden Brüder“ hören konnten. Übertroffen an Lautstärke von einigen Beschallprofis, die grausliche „Musik“ mit billigen Parolen im billigsten Austropop-Stil in den Äther stampften. Dabei die feig Maskierten, im Gleichschritt mit Naiven und „erlebnisorientierten“ Frauen und Männern.

Und natürlich mit grimmig daher schauenden Neonazis, deren Anwesenheit von den sonstigen Teilnehmern ignoriert oder schlicht toleriert wurde. Viele ohne sonstigen Zeitvertreib: Karneval oder Coronademo: grad‘ egal. Erstaunlich viele mit scheinbar religiösen Motiven, gern auch mit „Vaterland“ und „Freiheit“ garniert. Irre und Irregeleitete. Junge Krankenschwestern untergehakt mit alten Frauen, rotgefärbte Haare, endlich mit neuem Kurzzeitlebenssinn.

Vor allem wohl – ein Zitat eines Lesers vom Falter: „Heute am Westbahnhof einige angereiste Demonstranten gesehen. Standen um halb 1 mit offener Bierdose herum. Das Bild fasst für mich zusammen was ein großer Beweggrund vieler dieser Leute ist: Langeweile“

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